… Integration statt Remigration. Die Gastronomie als Chance? Mein kleiner Beitrag …
… ich arbeite seit 30 Jahren in der gehobenen Gastronomie und Hotellerie. Meine erste „Berührung“ zu ausländischen Kollegen war in meiner Ausbildung. Auch die ersten homosexuellen Menschen habe ich dort persönlich kennengelernt. Mein bester Freund war der schwule Eduardo aus Spanien. Wir hatten auch einen behinderten Kollegen, der voll integriert gewesen ist. Aber vor allem hatten wir Menschen von den Philippinen, aus Malaysia, Russlanddeutsche, klar Italiener und jede Menge Österreicher …
… wir haben im Kollektiv gearbeitet und überhaupt nicht darüber nachgedacht, woher der Einzelne kam. Wir haben mit jedem geredet, mit jedem gefeiert und uns gegenseitig unterstützt. Mein Englisch hab ich nicht in der Schule, sondern mit diesen Leuten gelernt. Mein erstes (und auch mein letztes) Red Bull haben die österreichischen Köche gefroren nach Deutschland geschmuggelt und an uns Kollegen großzügig verteilt …
… so war das damals und so ist es heute. Viele Menschen kommen nach Deutschland vor allem auch, weil sie hier einen Beitrag leisten wollen. Bei weitem nicht alle freiwillig. Es werden nicht alle bleiben und nicht mit jedem kann man arbeiten. Dass es vielleicht zuviele sind, dass will ich nicht abstreiten, aber hier auch nicht zur Diskussion stellen …
… für mich ist entscheidend, dass mein aktuelles Team aus 24 Personen und 17 Nationen besteht. Überwiegend EU, aber eben nicht nur. Ohne diese Menschen wäre ein Arbeiten in der Hospitality undenkbar. Viele von diesen Menschen haben ein abgeschlossenes Studium, das hier nicht anerkannt wird. Die Menschen sind eigentlich viel zu clever für so einfache Arbeiten wie Zimmer putzen oder spülen und sie zu motivieren und zu fördern, dass sie sich entwickeln und aufsteigen können, darin sehe ich eine meiner Hauptaufgaben …
… aber nicht nur das. Gerade Menschen, die wenig Deutsch sprechen, brauchen Hilfe. Sie müssen Vertrauen aufbauen, was oft nicht einfach ist. Sie brauchen viel Unterstützung und sind für eine Führungskraft „arbeitsintensiv“ und manchmal auch sehr nervenaufreibend. Nicht für jeden lohnt sich der Einsatz, trotzdem ist enttäuscht zu sein, für mich niemals eine Option. Jedes Teammitglied, dass sich entwickelt, ist jede Mühe wert …
… mir macht es große Freude dafür zu sorgen, dass Menschen aus aller Welt bei uns in der Gastronomie eine Heimat auf Zeit finden. In meiner Branche haben wir die Möglichkeit, Menschen zu integrieren und ich mache das mit großem Engagement auch, wenn es durch die enorme Zuwanderung aus fremden Kulturen ganz und garnicht einfacher geworden ist. Aber ich möchte dafür werben, nicht alle über „einen Kamm“ zu scheren. Die allermeisten, die ich bisher kennenlernen durfte, sind gute Leute, die sich jeden Tag Gedanken machen wie es wohl für sie mit dieser Stimmung im Land weitergehen kann. Diese engagierten Menschen haben meine volle Unterstützung …