Die Relevanz der Gastronomie
Die Diskussion, ist Gastronomie systemrelevant, wurde in den Jahren 2020/2021 umfassend geführt. Alleine das Wort „systemrelevant“ ist wohl etwas sehr Deutsches. Alles, was nicht effektiv genug ist, wird wegradiert. Dabei gefällt uns doch gerader der gelassene Lifestyle unserer südländischen Nachbarn so gut. Vielleicht würde auch uns etwas weniger Ehrgeiz und Effektivität manchmal nicht schaden.
Für mich in meinem Leben, das möchte ich einmal deutlich machen, ist die Gastronomie systemrelevant. Ganz pragmatisch: ich lebe davon. Wie tausende Menschen in diesem Land. Und natürlich muss man als Gast nicht in ein Restaurant gehen, um zu überleben, aber es ist doch ein bisschen Selenheil damit verbunden, wenn man es tut. Menschen um sich zu haben, sich mit Freunden zu treffen, ist ein Antidepressiva – zumindest für mich und vielleicht auch für Sie.
Ich war enorm vor den Kopf gestoßen, als die Politik uns in der Pandemie zwar mit Geld versorgt, aber als unwichtig abgestempelt hat. Ich habe meinen Beruf und das was ich tue, nie als Banalität gesehen. Ebenso wenig wie das Ballett oder das Konzert. Die Kleinkunstbühne oder die Oper. Mit allen Kollegen in diesem Land schaffe ich Räume zur Entspannung und zur Kommunikation. Wir ermöglichen Begegnung. Menschen, die reisen, können in einem frisch gemachten Bett schlafen und müssen sich keine Sorge um ihre Sicherheit machen, weil wir das tun. Wir sind die Kümmerer der Nation!
Tausende in diesem Land arbeiten jeden Tag am Wohlfühlstatus der Menschen. Das prägt eine Gesellschaft und doch, das macht was aus … spätestens, wenn es Nacht wird und der Gast alleine an der Theke von seinem Leben und seiner Einsamkeit anfängt zu erzählen, dann sind wir sogar sehr relevant. Zumindest für diesen einen Menschen in diesem Moment.