Home Delivery – Dominanz der Lieferdienste

Das digitale Liefergeschäft ist eines der größten Onlinesegmente weltweit mit der Besonderheit, dass fast alle Beteiligten permanent Geld verlieren. Das gilt auch für die Restaurants oder die Fahrer. Mit bis zu 30% Abgaben vom Umsatz werden Restaurants zur Kasse gebeten. In manchen Ländern verdienen Kurierfahrer teils nur einen effektiven Stundenlohn von drei Euro. Gewerkschaften nennen diese Zustände “moderne Sklaverei”. In Deutschland ist das weltweit vorherrschende Modell schwierig bis schlichtweg illegal: Die Zustellung mit Freelancern, die pro Lieferung bezahlt werden. Hierzulande müssten die Fahrer angestellt werden.

In den letzten Jahren hat sich eine Blase entwickelt und bei vielen Lieferdiensten zählt als einziges Erfolgskriterium das Umsatzwachstum mit einem einzigen Ziel - DEM Monopol. Waren es früher verschiedene Onlineanbieter wie Lieferheld, Foodora und weitere, wird der Markt heute von Delivery Hero und Lieferando dominiert. Der Eigner von Liferando ist Just Eat Takeaway, der ebenfalls Eigner von Pizza.de, Lieferheld und seit kurzem von Fodora ist. Marktanteilsgewinn hat oberste Priorität. Da interessiert es auch nicht, ob die Bestellung nicht mal die Kosten der Kuriere deckt oder pro Bestellung gar Geld verloren wird. Manche Lieferdienste fragen die Restaurants noch nicht mal mehr, ob sie sich listen lassen möchten und setzten sie einfach online.

Um dem willkürlichen Treiben der Lieferdienste ein Ende zu bereiten und die Restaurants zu stützen, haben einige Städte bereits begonnen, die Kommission auf maximal 15% zu begrenzen. Vorreiter hier sind San Francisco und New York. Auch für Deutsche Städte wäre dieses “amerikanische” Modell zu überlegen. Gerade durch die Corona Pandemie hat die Nachfrage nach home delivery noch einmal sprunghaft zugenommen. Restaurants kämpfen um’s Überleben. Durch den Lockdown waren take away und die Lieferung nachhause die einzige Möglichkeit überhaupt Geld zu verdienen. Da ein eigener Lieferdienst schwer zu realisieren war und ist, musste auf Lieferdienste zurück gegriffen werden. Da die Kommission des Lieferdienstes aber nicht in den Speisen kalkuliert gewesen ist, haben die Restaurants unter dem Strich häufig eher drauf gezahlt.

Unser schnell getaktetes Leben, die vielen Singlehaushalte und der Mangel an Kochkenntnis in der Bevölkerung wird in Zukunft die Inanspruchnahme von home delivery noch weiter verstärken. Wir müssen als Hospitality Branche sehen, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen und uns dementsprechend positionieren. Vielleicht sogar mit der Umsetzung eines eigenen Konzeptes, damit wir in der Gastronomie nicht das gleiche Nachsehen haben, wie in der Hotellerie mit booking.com und Co.

Quelle: Manager Magazin September 2020

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Nachhaltigkeit eingepreist – wie die "wahren Kosten" Hospitality verändern

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